Es ist der 7. Februar 2003. In der Morgendämmerung stehen meine Frau und ich in der Lobby des RIU Bambu und warten auf unseren Tourbus. Unser Tagesziel ist die Insel Saona. Nicht zum ersten Mal haben wir uns für einen Ausflug dahin entschieden, nein bereits der vierte Trip auf diese Trauminsel soll es werden, nur anders als die Bisherigen. Bewusst haben wir uns in diesem Urlaub nicht für das TUI Ausflugsangebot im Hotel entschieden. Deren Programm war uns bekannt, die angesteuerten Ziele wie Altos de Chavon, die Fahrt auf dem Rio de Chavon sowie die vom Tourismus überfüllten Strände auf Saona hatten wir zur Genüge gesehen. So machte uns das Angebot von RH Tours, das mit Saona Exklusiv für den etwas anderen Saona Ausflug wirbt, sehr neugierig.

Pünktlich um 07.10 Uhr, wie auf dem Ticket angekündigt, fährt ein kleiner Van vor. Gemeinsam mit einem weiteren Hotelgast besteigen wir den Bus und fahren in Richtung Fiesta Ressorts. Dort warten wir einige Minuten auf dem Parkplatz bis der RH-Tours Bus eintrifft. Dieser hatte bereits einige Gäste anderer Hotels abgeholt und so mussten wir nur noch umsteigen um „Punta Cana“ in Richtung Bayahibe zu verlassen. Unser Reiseleiter Elias, der mehrfach betonte obgleich seines himmlischen Namens ein Erdenbürger zu sein, war sichtlich bemüht, den 17 Reisegästen die Fahrt durch die Provinz Altagrazia mit vielen Informationen über sein Heimatland, deren Bewohner und Bräuche so kurz als möglich zu gestalten. Sicher lenkte unser Fahrer Rafael den Toyota durch das nach europäischen Normen kaum zu begreifende Verkehrschaos und die 80 Minuten Fahrzeit bis zum Hafen Bayahibe vergingen wie im Flug.
Dieser kleine Hafen, vielen bekannt durch Reiseführer und Fernsehreportagen, schien noch zu tief zu schlafen. Nichts deutet darauf hin, das es hier nur eine Stunde später vor Touristen wimmeln würde. Nachdem die Kühlboxen auf dem Boot verstaut ist, besteigen alle Gäste nebst unserem „Capitan“, einer jungen Dominikanerin sowie Elias das bereitstehende Speedboot und es beginnt eine berauschende Fahrt vorbei an den Hotelanlagen entlang der Küste des Parque Nacional del Este. Eine teils bizarre Küstenlandschaft aus Kalksandsteinfelsen, deren Strukturen auf die stürmischen Tage des sonst so friedlichen karibischen Meeres hinweisen, wechseln sich ab mit bis zum Meer bewachsenen Abschnitten. Einige blattlose Palmenstämme erinnern an die gewaltigen Kräfte des letzten Hurrikans. Obwohl der Blick über das karibische Meer keine Welle erkennen lässt, schafft es unser „Capitan“ immer wieder, durch geschickte Lenkmanöver, die Gäste auf der letzten Sitzreihe des Bootes mit einer Dusche frischen Meerwassers zu erschrecken. Plötzlich zieht das Boot nahe der Küste in vollem Speed eine Schleife und stoppt schlagartig die Motoren. Lautlos stehen wir allein, wohl 300 Meter von der Küste entfernt mitten im Meer und können im türkisfarbenen Wasser die welligen Sandmuster des Meeresbodens erkennen. Da meiner Frau und mir dieser Ort, die Piscinia Natural (Meeresbadewanne), bereits bekannt ist, warten wir gar nicht erst auf die Erklärungen unseres Reiseleiters, sondern entledigen uns der T-Shirts und springen zur Überraschung der anderen Gäste sofort ins Wasser. Um so erstaunter sind diese, als wir nach dem Auftauchen nur bis zur Hüfte im glasklaren, wohl 27 Grad warmen Wasser stehen und es dauert nur wenige Augenblicke, bis Elias mit seiner charmanten Begleiterin und unserem „Capitan“ allein auf dem Boot sind. Einfach traumhaft ist es, seinen Körper fast schwerelos durch das seichte Wasser gleiten zu lassen. Mit etwas Glück findet man an etwas tieferen oder den mit Seegras bewachsenen Stellen einen der unter Naturschutz stehenden Seesterne. Wer möchte nimmt am Boot einen Erfrischungsdrink, wahlweise mit oder ohne „Vitamin B“. Nur 50 Minuten dauert dieser Traum, dann besteigen alle das Boot um unsere Fahrt durch die am Horizont schon zu erkennenden Mangroven in Richtung Saona fortzusetzen. Südlich umfahren wir diese Insel, vorbei an den noch menschenleeren Touristenstränden, vorbei an Adamanay, dem einzigen Dorf der Insel bis an die Stelle, wo das karibische Meer schon fast auf den Atlantik trifft. Etwas versteckt liegt hier ein einsamer traumhafter Strandabschnitt, auf den wir jetzt direkt zuhalten, ein „Eldorado für den Hobbyfotografen“. Alle verlassen das Boot, hinter einigen Palmen entdecken wir ein einsames Haus, wie wir später erfahren das Urlaubsdomizil eines in Santo Domingo lebenden Arztes. Der Hausverwalter kommt zu uns herüber und überrascht uns mit frischen mundgerecht geschnittenen Stücken einer Kokosnuss. Aus Käse und frittierten Bananenscheiben ist schnell ein kleines Snackbuffet errichtet und Elias lässt den Korken der ersten Sektflasche knallen. Es war also doch kein Werbegag aus der Tourbeschreibung – wir sitzen am Strand, der Blick streift über das Meer, in der Hand ein Becher mit gut gekühltem Sekt und ein frische Prise salziger Meerluft weht uns um die Nase. Wer möchte, hat jetzt genügend Zeit Schwimmen zu gehen oder am vorgelagerten Riff beim Schnorcheln die faszinierende und noch intakte Unterwasserwelt farbenfroher Korallen zu erkunden. Nach 90 Minuten besteigen wir wieder das Boot und fahren zurück zum Dorf Adamanay. Auf den ersten Blick ein traumhaft schönes durch die Farbvielfalt der Hütten geprägtes Bild, allerdings entdeckt man auch hier die wahren Lebensumstände bei einem Blick hinter die Fassaden. Faszinierend ist die Malkunst der Dominikaner, die weitestgehend durch die Ureinwohner der Insel, den Tainos geprägt wurde, zu bestaunen. Wer möchte, erfrischt sich mit der „Milch“ einer frischen Kokosnuss und lässt diese anschließend aufschlagen, um das weiche Fruchtfleisch zu essen. Nachdem wir das Dorf verlassen haben, steuern wir jetzt einen der weniger überfüllten touristischen Strandabschnitte der Insel an. Hier soll unsere Fahrt mit dem Speedboot beendet sein. Pünktlich um 13.00 Uhr wird uns unter Palmen ein karibisches Mittagsbuffet aus frisch gegrilltem Fisch, Hähnchen und Koteletts sowie landestypischen Beilagen serviert. Kein Vergleich zu den üppigen Büffets der 4 oder 5 Sterne Hotelanlagen, aber mindestens genau so köstlich und schmackhaft. Nach dem Essen ist genügend Zeit, um im Schatten der Palmenblätter auf einer der Strandliegen Siesta zu halten. Gegen 14.30 Uhr verlassen wir die Insel und werden mit einem kleinen Boot raus aufs Meer gefahren. Hier wartet bereits ein Katamaran, der ausschließlich unserer Reisegruppe für die Rückfahrt zur Verfügung steht. Groß genug also, das jeder seinen Platz zum Träumen und Genießen auf diesem Boot finden kann. Kaum das die Segel gesetzt sind und wir langsam an Fahrt gewinnen fängt es plötzlich an zu regnen. Ein kräftiger Schauer kühlt unsere durch die intensive Sonneneinstrahlung des Tages erhitzte Haut und lässt uns an diesem kurzen Schauspiel erfreuen. Schnell ist die Sonne wieder am Himmel zu sehen und jeder genießt den Segeltörn auf seine Art. Einige tanzen zu Merengue- und Bachataklängen aus der Musikbox, andere liegen in den Netzen und spüren das Auf und Nieder des Katamarans in der jetzt welligen See oder trinken einen Kuba Libre bzw. ein Bier. Knapp 3 Stunden dauert unsere Fahrt entlang der Küste bis wir sicher im Hafen von Bayahibe vor Anker gehen. Hier wartet bereits Rafael mit dem Bus auf unsere Rückfahrt nach Punta Cana. Unterwegs machen wir noch einen Zwischenstopp in einem der Souvenirläden von Higüey und erreichen pünktlich um 19.00 Uhr wieder unser Hotel. Aus unseren Erfahrungen aller bisherigen Saonaausflüge möchten wir jedem Urlauber diesen Ausflug als Geheimtipp empfehlen – schönes Wetter vorausgesetzt.

Silke & Andreas 03/2003 - mail



Whale Watching Saona Exklusiv 2